www.ÜBER-ICH.de

Weitere anti-esoterische Informationen und Anwendbarkeiten des Themas Ichlosigkeit:

im Buch "DAS TABU DER PSYCHIATRIE", in der Musik "DAS DESINTERESSIERTE KLAVIER",

beim "SENIORENZEN" im Berufsalltag und für die 2.Quantenlyrik-Methode (QLS)

Rosenklavier von Joseph Beuys im Museum Abteiberg, Mönchengladbach
Rosenklavier von Joseph Beuys im Museum Abteiberg, Mönchengladbach

 

6./7.2.2021, Hommage an Erich Fromm © POEMiE™

(Erstveröffentlichung auf der Facebookseite "Esoterik2go")

HABEN ODER SEIN?

JENSEITS DER SELBSTMANIPULATION

(RADIKALES "BIN DA" STATT REDUNDANTES "ICH BIN")

 Die entscheidende Frage lautet nicht etwa "sein oder nichtsein", sondern tatsächlich HABEN oder SEIN, wenn wir das ganze System Mensch auf seine eigentliche Identität abklopfen: der Mensch MIT einem Ego HAT immer Gefühle, Gedanken, Charaktereigenschaften und beeinflussbare Meinungen - seine Entscheidungen trifft er aufgrund der Standpunkte, die sein Ego einnimmt; denn er meint, er sei nichts anderes als dieses Ego und im tiefsten Inneren sei dieses Ego sogar identisch mit Gott, weshalb dieser für ihn eine bildlose Transzendenz darstellt. Könnte sich nämlich das Ego selbst anschauen, würde es sich nicht selbst sehen, sondern nur diese Leere des Bewusstseins, die durch sich selbst hindurch schaut. Ein solcher Mensch lebt in dem Glauben, die letzte Wahrheit seiner Identität als ichhaftes Subjekt sei etwas Immaterielles, Geistiges, Jenseitiges und Unangreifbares, während die weltlichen Inhalte, mit denen sein Ego handelt, dazu dienen, einen objekthaften, sinnlichen und gefährlich relativistischen Standpunkt inmitten des ganzen Spektakels einnehmen zu können. Er hat seine Lebensempfindung in zwei voneinander getrennte Bereiche aufgeteilt: das abstrakte (seelische) Ich, das er zu sein glaubt, und die konkreten (sachlichen) Inhalte des Ichs, die es zu haben meint. Da er sich mit seinem Ich aber nie wirklich "eins" fühlen kann, da er "sich selbst" immer nur mit eben diesem Ich von außen beobachtet, IST er im Grunde überhaupt nichts und HAT auch nichts: alle Inhalte seines Ichs inklusive dem Ich selbst sind nicht das Ich, das er wäre, wenn er es SEIN könnte anstatt es nur wie eine Sache zu besitzen. Der Ego-Mensch möchte eine eigenständige, individuelle Seele haben und diese zugleich wie eine Sache besitzen, er möchte seine Seele besitzen. Sein Ich flüstert ihm permanent ins Gewissen: "Streng Dich an, dann kannst Du eins mit Dir selbst werden und dieses Ich sein, das sich immerzu haben möchte!" Ein abgrundtief paradoxes, perverses Unterfangen, die Tragödie der absoluten Ich-Besessenheit. Im Gegensatz dazu gibt es aber eine spannende Entwicklung in der menschlichen Psyche: durch fortschreitende Disidentifikationstechniken kann jeder Mensch dahin gelangen, daß sein Ich vom Bewusstsein nicht mehr als seine einzige, ihn kontrollierende Identität empfunden wird, sondern nur noch als eine kommunikative Funktion innerhalb des Denkens. Bei wem diese Loslösung vom Ego zur kompletten Auflösung der Fixiertheit auf das ichhafte Denken führt, der entdeckt ein ganz wunderbares Geschenk des Lebens: endlich ein Mensch SEIN zu dürfen, ohne ein Ich HABEN zu müssen! In früheren Zeiten verehrten die Ichbesessenen jene wenigen Ichbefreiten wie Heilige; denn ihre Sehnsucht nach Auflösung ihres zwanghaft kleinen Ichkäfigs war so groß, daß sie einen Ichbefreiten für übermenschlich, ja sogar göttlich hielten. Dafür erfanden sie ihre religiöse Zielvorstellung namens "Erleuchtung" und bemühten sich lebenslänglich, dieses Ziel zu erreichen, übersahen dabei aber immerzu, daß es lediglich ihr Ich war, das dieses Ziel HATTE und wie einen "heiligen Hochleistungssport" anstrebte. Gerüchte kursierten, die zweihundertjährigen erleuchteten Zenmeister ganz oben auf den schneebedeckten Berggipfeln (oder der Yeti? nein, Aliens!) würden behaupten, man könne nur dort ankommen, wo man bereits sei, was dem Ich leider nicht half, seine Selbstlüge zu durchschauen: immer war es das Ich, das darüber nachdachte, wie es sich selbst erkennen könne, und seine eigenen Zustände überprüfte, in der Hoffnung, eines Tages im Hier und Jetzt anzukommen, wo alle anderen Anteile des Menschen schon längst waren: die Füße standen SCHON IMMER auf dem Boden, das Herz schlug SCHON IMMER in Echtzeit, die Hände ergriffen SCHON IMMER die Nahrung in exakt dem Moment, wenn sich der Hunger im Magen bemerkbar machte. Im Grunde funktionierte das ganze System Mensch immer "von selbst" - als ein Biocomputer, dessen Zellprogramme automatischer Bestandteil der Realität sind. Das Ich war ein störender Virus in diesem automatischen System, der sich einmischte und nicht ertragen konnte, daß alles perfekt funktionierte: das Jetzt war genau jetzt da und der Mensch handelte aus diesem Jetzt heraus genau jetzt. Mehr war da nicht, aber dem skeptischen Ich schien das zu leicht, viel zu leicht. Dieses bescheuerte Ganzjetztgetue der Esoteriker, die so weihevoll meditativ durch den Ashram stolzierten (weil es in Wahrheit ihr psychotisches, stolzes Ich war, das sich mit Jetztkonsum aufblähte!), wirkte für das verzweifelte, komplexitätssüchtige Ich wie ein triviales therapeutisches Verhalten unter vielen, das man zwar nachahmen kann, aber dadurch längst noch nicht wirklich da hinkommt, wo man angeblich "sowieso sei". Diesem Komplexitätswahn bleibt das ganz simple Wunder verborgen: Der Mensch hat an sich mit dem Leben überhaupt kein Problem, da er DAS LEBEN IST. Nur sein verknotetes Ich möchte dieses tatsächliche Einssein, dieses Identischsein als eine eindeutige geistige Sache (wie eine Weltformel) besitzen und bleibt dadurch auf fürchterlich traurige Weise vom Jetztgefühl ausgeschlossen. Alles fühlt dieses hilflose Ich außer das Jetzt. Alles kann es zerdenken und visualisieren. Alles außer das Jetzt. Könnte es DAS JETZT endlich fühlen, würde es sich augenblicklich selbst (in Luft und Wohlgefallen) auflösen und wäre das Jetzt selbst. In diesem Zustand des Jetztseins als Selbstsein ist der Mensch ganz genau das, was er IST und kein von sich selber entfremdetes Ich, das irgendwas HAT, was sich immerzu fremd anfühlt. Haben lässt sich das Leben eben nicht, von ganz innen gefühlt, sondern nur sein, aber wer so "in sich" (eingekehrt, heimgekehrt, zurückgekehrt) IST, dessen Bewusstsein ist automatisch entleert, hat keinen zentralen Inhalt, der sich als Ich aufspielt. Bei dieser Erkenntnis dehnt sich die Selbstwahrnehmung urplötzlich ins Unendliche aus und bemerkt seine eigene Leere. Jetzt hört der Mensch seine eigene Ich-Stimme wie einen Livestream-Reporter, der über nichts weiter als die dahin fließende Realität zu berichten weiß, die von den erleuchteten, selbstleuchtenden Sinnen empfangen wird. Er IST nicht mehr sein Ich, sondern er HAT es nur noch, aber im selben Atemzug ist die Person nicht mehr zu finden, die zum Habenkönnen gebraucht wird, da sie ebenfalls eine Illusion des fantasierenden Ichs war. Also redet diese instanzlose Ichstimme nun unaufhörlich über das, was geschieht, ohne daß jemand da sei, der ihr zuhören könnte. Das Wasser wird nur noch gekocht und der Reis gegessen, die Finger tippen die Buchstaben, die Augen lesen den Text, die Müdigkeit schläft ein, das Bewusstsein ist sich bewusst. Das Dasein ist da. Und die Leere ist leer. Welche Meinung vertritt denn Dein Ich jetzt darüber? Du antwortest niemandem schmunzelnd: "WESSEN Ich meinst Du?" Das identitätslose Ich hat die unendliche Größe der Eindrücke, die von den Sinnen benannt werden können: "Die Augen sehen in andere Augen!" Die Augenpaare sehen sich gegenseitig an. "Der Mund küsst einen anderen Mund!" Die Münder küssen sich. Und so weiter und so fort. Mehr ist nicht, mehr Ich, alles Ich ist geteiltes Du! ALLES ist dieses einzige randlose "BIN DA", wenn ES geschieht. Weder hilflos noch heilig. ES IST. Es passiert. Niemand da, um es festzuhalten oder loszulassen. Die Wörter ICH, NICHTS und SEIN werden komplett austauschbar. Die Realität ist die neue identitätslose Poesie des Universums! ALLES IST POESIE! Noch mehr Dichtung als DAS ALLES wäre überflüssig, erfunden, nur Ablenkung vom Seienden. Das Leben ist irreversibel in seiner Selbstleere verdichtet. Wenn jetzt trotzdem geredet wird, dient das Gerede ausschließlich der Freude am Gespräch, ohne Meinungen zu produzieren. Niemand manipuliert mehr niemanden - nur die Ichs wollen weiterhin ihre Meinung vertreten, wie man das eben von den Vertretern einer Firma gewohnt ist, aber sie werden von niemandem mehr beachtet. Die Gläser werden angestoßen, der Sekt wird getrunken. Die Musik lädt zum Tanzen ein, der Geburtstag führt zur Gratulation...